„Deutschland hat Krise am schnellsten überwunden“

Reinhard Göhner beim Finanz- und Wirtschaftsgespräch der CDU

Sprachen über die Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft (v.l.): Dr. Michael Brinkmeier MdL, Dr. Reinhard Göhner und Ralph Brinkhaus MdB.
Sprachen über die Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft (v.l.): Dr. Michael Brinkmeier MdL, Dr. Reinhard Göhner und Ralph Brinkhaus MdB.
In der Veranstaltungsreihe „Gütersloher Finanz- und Wirtschaftsgespräche“ des CDU-Kreis­verbandes konnte der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus jetzt Dr. Reinhard Göhner als Gast begrüßen. Göhner, früherer Bundesstaatssekretär und heute Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sprach zu den Themen Facharbeitermangel, Tarifeinheit, Zeitarbeit und Mindestlöhne sowie über die Probleme und Chancen des Arbeitsmarktes.

Göhner betonte die überraschend gute Situation der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres. „Wir können davon ausgehen, dass die Krise überwunden ist, keinem ande­ren Industrieland ist dies so schnell gelungen“, so Göhner. Die Gründe dafür sieht er im rich­tigen Einsatz von Kurzarbeit, im verantwortlichen Verhalten der Gewerkschaften aber auch im Vertrauen der Menschen in die Stabilität der deutschen Wirtschaft. Dem Kreis Gütersloh attestiert Göhner dabei besonders günstige Standortfaktoren, schließlich befänden sich 45 Prozent der Arbeitsplätze im Kreis Gütersloh im produzierenden Gewerbe.
 
Das größte Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sieht Göhner im Mangel an qualifizierten Fachkräften. „Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich können schon heute über 140.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden“, so Göhner. „Bis zum Jahr 2030 werden mehr als fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen. Dabei engagieren sich die Betriebe bereits stark, um ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. Pro Jahr investieren sie bundesweit über 50 Milliarden Euro in die betriebliche Aus- und Weiterbildung.“ Doch selbst bei ei­ner optimalen Ausschöpfung der inländischen Potenziale würden in Zukunft noch drei Millio­nen Arbeitskräfte fehlen. Göhner fordert daher eine weitere Öffnung des deutschen Arbeits­marktes für gezielte, qualifizierte Zuwanderung.
 
Eine weitere Stärke der deutschen Wirtschaft sieht Göhner in der Tarifeinheit. „Sie verhin­dert ein ungeregeltes Nebeneinander von Tarifverträgen und die Spaltung von Belegschaf­ten in einem Betrieb“, sagt Göhner. Seit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, den Grundsatz der Tarifeinheit aufzugeben, würden sich jedoch viele neue Spartengewerk­schaften bilden. Hier bestehe die Gefahr, dass das Streikrecht für die Sonderinteressen ein­zelner kleiner Gruppen missbraucht wird. Göhner plädiert daher für die Beibehaltung der Tarifeinheit, mit der Deutschland 60 Jahre gut gefahren ist. Als wichtig für den Arbeitsmarkt betrachtet der BDA-Hauptgeschäftsführer auch die Zeitarbeit. „Sie ist von großer Bedeutung für die Flexibilität unserer Wirtschaft, etwa bei Großaufträgen und Auftragsspitzen. Für Gering­qualifizierte und Langzeitarbeitslose ist sie außerdem eine Chance auf Einstieg oder Rück­kehr in Arbeit.

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