Gemeinschaftspraxis als Chance

Ralph Brinkhaus MdB, Dr. Heinz-Josef Sökeland, Jens Spahn MdB, Dr. Thomas Waltermann, Eva Appelhans-Schröder, Dr. Britta Hartmann, Gabriele Becker
Ralph Brinkhaus MdB, Dr. Heinz-Josef Sökeland, Jens Spahn MdB, Dr. Thomas Waltermann, Eva Appelhans-Schröder, Dr. Britta Hartmann, Gabriele Becker

Es klingt paradox: Auf der einen Seite ist die Rede von Ärzteschwemme, gibt es doch in Deutschland deutlich mehr Ärzte pro Einwohner als im internationalen Durchschnitt. Auf der anderen Seite wird der Ärztemangel besonders im ländlichen Raum beklagt. Die Gründe für den Ärztemangel sind vielfältig. Sie reichen von der Budgetierung und der Bezahlung über den Bereitschaftsdienst und die Bürokratie bis hin zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.



Einer, der eine für alle Beteiligten praktikable Lösung gefunden hat, ist Dr. Heinrich-Josef Sökeland in Greffen. Sein Modell der ortsübergreifenden Gemeinschaftspraxis stellte er jetzt Jens Spahn MdB vor, den der direkt gewählte heimische Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus in den Kreis Gütersloh eingeladen hatte, um ihm Impulse aus der Praxis für seine Tätigkeit als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu vermitteln.

Dr. Heinrich-Josef Sökeland, seit 22 Jahren niedergelassener Arzt, gründete 1990 mit einigen Kollegen die Gemeinschaftspraxis an der Kolpingstraße in Greffen. Mit Eröffnung einer weiteren Gemeinschaftspraxis in Harsewinkel wird jetzt mit sechs Ärztinnen und Ärzten und fast 30 Mitarbeitern ein breites Spektrum verschiedener medizinischer Fachrichtungen abdeckt. Ergänzt wird das Angebot durch angrenzende Gesundheitsleistungen wie Physiotherapie, Logopädie und Heilpädagogik. Die Gemeinschaftspraxis hält ganzjährig von Montag bis Samstag Sprechstunde.

Möglich wurde dies durch das „Vertragsarztänderungsgesetz“, das neue Kooperationsformen im medizinischen Bereich erlaubt, eine Regelung, die Sökeland sehr begrüßt. Gleichzeitig wünscht er sich aber, dass bereits im Studium Informationen über die Möglichkeiten des niedergelassenen Arztes vermittelt würden. Als Akademische Lehrpraxis der Universität Münster beteiligt er sich mit seiner Gemeinschaftspraxis an der Ausbildung junger Ärzte. Das 2-wöchige Pflichtpraktikum, das Medizinstudenten mittlerweile bei einem niedergelassenen Arzt ableisten müssen, bezeichnete er als einen wichtigen Schritt, um das oft negative Bild des Landarztes bei angehenden Medizinern zu verändern. Denn anders als die Situation des Landarztes in den Medien oft dargestellt wird, empfindet Sökeland seine Tätigkeit als „sehr erfüllend“.

„Der Vorteil der Gemeinschaftspraxis ist, dass alle profitieren, die Patienten ebenso wie die beteiligten Ärzte“, sagte er. Insbesondere für Frauen, die mittlerweile mehr als die Hälfte der Medizinabsolventen stellten, sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Mit einer Gemeinschaftspraxis sei dies machbar.

Doch bei aller Begeisterung übt er auch Kritik: „Die Rahmenbedingungen stimmen schon lange nicht mehr.“ Schon der Einzug der Praxisgebühr sei „Sand im Getriebe“ der Praxis, so Sökeland. Die elektronische Gesundheitskarte in der jetzigen Form sei nicht „hausarztpraxis-gängig“. Er regte an, die Karte vor der Einführung in großen Hausarztpraxen zu testen, denn „Bürokratie muss praktikabel sein“. Überhaupt nicht abfinden kann er sich mit der bundesweit ungleichen Honorierung der ärztlichen Leistungen. Sachlich ist auch nicht nachvollziehbar, warum ein Arzt in Süddeutschland für die gleiche Leistung besser vergütet wird. Jens Spahn versprach, dass der finanzielle Ausgleich Süd-Nord in kleinen Schritten erfolgen werde. „Es ist unser zentrales Anliegen, die flächendeckende, wohnortnahe und bedarfsgerechte medizinische Versorgung sicher zu stellen. Dazu gehört es auch, ländliche Regionen für junge Ärzte attraktiv zu machen und Anreize zu schaffen, um die Versorgung in diesen Gebieten sicherzustellen,“ so Spahn abschließend.

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