Service-Techniker Sebastian Brenner sichert Ralph Brinkhaus MdB auf dem Windrad
Service-Techniker Sebastian Brenner sichert Ralph Brinkhaus MdB auf dem Windrad

Der Blick geht weit in die Ferne und lässt vergessen, wie schmal die Plattform auf dem Windrad in fast 100 m Höhe ist.

Das Windrad steht im Windpark an der Steinhäger Str. in Harsewinkel und speist erst seit zwei Monaten Strom ins Netz. Der Betreiber, die Firma Enercon GmbH aus Aurich, hat jetzt den heimischen CDU-Abgeordneten Ralph Brinkhaus eingeladen, sich vor Ort über die Windkraftanlage mit den beiden Windmühlen zu informieren.

Doch bis man erst einmal oben ist, dauert es eine Weile: Sicherheit hat absoluten Vorrang, und so passt Service-Techniker Sebastian Brenner Brinkhaus erst einmal Sicherungsgeschirr und Helm an. Nach einer kurzen Einführung in die Sicherungsregeln geht es im engen Fahrstuhl hoch bis auf rund 80 m. Die letzten Meter erklimmt er über eine senkrecht angebrachte Leiter mit einem Sicherungssystem. Oben angekommen folgt die Belohnung der Mutprobe: Der Rundumblick ist fantastisch und Brinkhaus ist begeistert, seinen Wahlkreis einmal aus dieser neuen Perspektive zu sehen. Dann setzt Sebastian Brenner die Windmühle in Gang und die 40 m langen Rotorblätter beginnen sich leise zu drehen.

Die technischen Daten der Windmühlen sind beeindruckend: Die Nabenhöhe beträgt 98 Meter, inklusive der Rotorblätter mit einem gesamten Durchmesser von 82 Metern beträgt die Gesamthöhe fast 140 Meter. Die Nabenhöhe ist notwendig, da die relative Windgeschwindigkeit mit der Höhe ansteigt. So lässt sich ausgleichen, dass das Windpotenzial im Kreis Gütersloh nur durchschnittlich ist. Die geschwungene Form der Rotorblätter mit den abgeknickten Spitzen ähnelt dem Profil einer Flugzeugtragfläche. Die wartungsarmen Anlagen haben eine Betriebszeit von 20 Jahren und mehr.

 „Die beiden Windmühlen hier erzeugen zusammen acht Millionen Kilowattstunden im Jahr. Das reicht für die Stromversorgung von rund 2000 Haushalten“, beschreibt Michael Liesner von Enercon die Leistung der Anlage. Sicher sei die Windausbeute auf dem Meer bis zu 40 % größer als an Land, räumt er ein. Dem stünden aber ein erheblich höherer Aufwand bei Bau der Windräder gegenüber und deutlich höhere Kosten, um den Strom zu den Verbrauchern zu transportieren. Hinzu  käme, dass dazu auch die bestehenden Stromleitungen nicht ausreichten. Hochspannungsleitungen, deren Bau immer wieder auf Widerstand bei der Bevölkerung stößt, sucht man beim Windpark in Harsewinkel allerdings vergeblich. Die Leitungen verlaufen unterirdisch.

Blick aus 98 m Höhe vom Windrad

Blick vom Windrad in fast 100 m Höhe


Eine Schattenseite der Windkraft im wahrsten Sinne des Wortes ist der Schatten. Die modernen Anlagen sind allerdings so programmiert, dass störender Schattenwurf der Rotorblätter auf Wohnhäuser automatisch erkannt wird. „Das Windrad schaltet dann selbstständig ab, denn Schattenwurf ist nur an 30 Tagen im Jahr für jeweils maximal 30 Minuten gestattet“, erklärt Liesner.

„Kurz- und mittelfristig bietet bei den Erneuerbaren Energien die Windenergie das wirtschaftlichste Ausbaupotenzial“, ist Brinkhaus überzeugt. „Der Verzicht auf Kernenergie ist aber nur möglich, wenn neben der Windkraft sämtliche Erneuerbaren Energien ausgebaut werden, also auch Sonnenenergie, Geothermie, Wasserkraft und Biomasse.“

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