Die Bedeutung des Themas „Zuwanderung“ zeigte sich schon an der Besucherzahl: Über 100 interessierte Zuhörer waren der Einladung des Bundestagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Ralph Brinkhaus in das Pfarrheim St. Johannes in Rheda-Wiedenbrück gefolgt, um mit ihm und dem Landtagsabgeordneten André Kuper über die Flüchtlingskrise zu diskutieren. Kuper stellte in einem Impulsreferat zunächst heraus, dass Deutschland nicht zum ersten Mal vor der Herausforderung steht, eine große Zahl Menschen aufzunehmen. Die Bundesrepublik verzeichnet nach der Fluchtwelle aus den deutschen Ostgebieten nach dem Krieg mit 14 Millionen Flüchtlingen, dem Gastarbeiterzuzug mit 2,6 Millionen Menschen und der Spätaussiedlerwelle mit drei Millionen Zuzüglern bereits die vierte Zuwanderungswelle.
Informierten ihre Zuhörer gemeinsam über die vielfältigen Aspekte der Flüchtlingskrise: Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus (l.) und der Landtagsabgeordnete André Kuper.Trotzdem hob Kuper die besondere Dimension der aktuellen Lage hervor: „60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“, so der Landtagsabgeordnete. „Und die Probleme werden nicht geringer. In Afrika, das jetzt schon viele Flüchtlinge über das Mittelmeer verlassen, wird sich die Bevölkerung in der nächsten Generation von einer Milliarde auf zwei Milliarden Menschen verdoppeln.“
„Die Festung Europa aber gibt es nicht mehr, überall sind grüne Grenzen. Wir werden daher der Probleme nur Herr, wenn wir die Fluchtursachen bekämpfen und den Menschen in den Herkunftsländern eine Bleibeperspektive verschaffen,“ erklärte Kuper. „Und bei uns vor Ort muss die Devise lauten: „Steuern, ordnen und begrenzen“. Das bedeutet, die Menschen mit Bleiberecht zu integrieren und diejenigen konsequent zurückzuführen, die sich unberechtigterweise bei uns aufhalten.“ Kuper verwies auch darauf, dass einige Probleme der Flüchtlingskrise hausgemacht sind: „Derzeit wird viel Kritik an Angela Merkel geübt, in Nordrhein Westfalen hat aber die rot-grüne Landesregierung einen großen Anteil an der unbefriedigenden Lage: So ist die Verteilung der Flüchtlinge bei uns im Land ungerecht geregelt. Während im ländlichen Raum viele Kommunen ihre Aufnahmequote über 100 Prozent erfüllen, bleiben etliche Großstädte an Rhein und Ruhr weit hinter ihren Quoten zurück. Darüber hinaus findet für die ohnehin stark belasteten Kommunen in NRW eine im Vergleich mit anderen Bundesländern unzureichende Erstattung der Flüchtlingskosten statt.“
Ralph Brinkhaus mahnte an, dass es bei der ganzen Diskussion, die oft sehr abstrakt geführt werde, immer um Menschen und menschliches Leid gehe. Dennoch werde es immer schwieriger, den Flüchtlingszustrom zu bewältigen. Er verwies daher auf die Maßnahmen, die bereits ergriffen worden sind. Dazu zählen die Verschärfung des Asylrechtes, die Einführung eines einheitlichen Erfassungssystems, aber auch die Milliarde Euro, die zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Afrika zur Verfügung gestellt worden ist. In seinem Schlusswort warnte Brinkhaus vor den Gefahren der Fluchtwelle: „Bei aller Problematik darf eines nicht passieren. Die Flüchtlingskrise darf nicht dazu führen, dass daran das europäische Projekt scheitert.“